Gastbeitrag von Cornelia Grimm
Nur wenige Schritte mit Unterarmgehstützen, sonst Rollstuhl: Für Jacqueline Rügamer aus Leinach war das über Jahre Alltag. Alles begann mit einem Bandscheibenvorfall 2007. Weitere Operationen waren im Verlauf notwendig.
Ein Unfallereignis 2023 führte zu einer Schädigung der Spinalnerven im Bereich der Lendenwirbelsäule. Sie konnte ihr rechtes Bein kaum noch heben. Hinzu kamen starke Nervenschmerzen, Muskelschwäche und schließlich die Arbeitsunfähigkeit.
Viele Behandlungen brachten nicht den gewünschten Erfolg. Erst der Hinweis auf die Multimodale Schmerztherapie im Helios St. Elisabeth Krankenhaus in Bad Kissingen eröffnete für die heute 47-Jährige einen neuen Weg.
Bei Frau Rügamer hatte sich ein schweres Nervenschmerzsyndrom entwickelt. Mediziner sprechen von einer Kausalgie: einem chronischen, brennenden Dauerschmerz, der nach einer Schädigung von Nervenwurzeln auftreten kann.
Der Schmerz ist häufig sehr stark und lässt sich allein durch die ursprüngliche Verletzung nicht erklären. Ursache ist eine Fehlfunktion des Nervensystems, erklärt Dr. med. Maximiliane Deckart, Chefärztin der Abteilung Schmermedizin am Helios St. Elisabeth Krankenhaus Bad Kissingen und behandelnde Ärztin von Frau Rügamer.
Über Jahre war Jacqueline Rügamer auf hoch dosierte Schmerzmedikamente angewiesen. Durch die Implantation eines Nervenstimulators konnte bereits eine Linderung erreicht und die Medikation reduziert werden.
Dennoch blieb sie stark eingeschränkt. Zur Behandlung kam sie im Rollstuhl. „Ich hatte mich mit der Situation eigentlich abgefunden“, sagt Frau Rügamer.
In der stationären zweiwöchigen Schmerztherapie wurde das Schmerzsyndrom gezielt behandelt. Zum Einsatz kamen unter anderem elektrotherapeutische Maßnahmen, Ergotherapie, Gehtraining und Spiegeltherapie.
Bei dieser Methode wird dem Gehirn über die gesunde Körperseite eine intakte Bewegung der betroffenen Seite vermittelt. Durch das wiederholte Üben können Schmerzempfinden und Bewegungsfunktion positiv beeinflusst werden.
Mit Unterstützung einer Orthese und Unterarmgehstützen trainierte Frau Rügamer täglich das Gehen. Nach und nach gelang es, das rechte Bein wieder stärker in die Bewegung einzubinden.
Auch die Muskulatur im Oberkörper und im Bein wurde gezielt aufgebaut. Für Frau Rügamer war vor allem das aufrechte Stehen und Gehen ein wichtiger Moment. Es gab ihr ein Stück Normalität zurück und wirkte sich auch auf ihre Stimmung aus.
Die aktive Therapie sei anstrengend gewesen, sagt Jacqueline Rügamer. Gleichzeitig habe sie ihr geholfen, die Resignation zu überwinden. „Meine Schmerzen haben sich mindestens halbiert. Ich sehe wieder Licht am Ende des Tunnels.“
Heute, kurz nach Ihrer Entlassung aus dem „Eli“, erlebt Frau Rügamer wieder deutlich mehr Selbstständigkeit als zu Beginn der Behandlung.
Ihr Weg macht deutlich, wie wichtig es ist, auch bei chronischen Nervenschmerzen nicht vorschnell aufzugeben und verschiedene therapeutische Ansätze gezielt miteinander zu verbinden.



